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Filmretrospektive
Evgenij Kondrat'evs (1985-1998)
Sa. 19.April / 19:30 / Kino Arsenal
Paralleles Kino Evgenij Kondrat'evs
In der finalen Phase der Sowjetära arbeiteten zahlreiche Regisseure
und Filmemacher parallel zum offiziellen Kulturbetrieb. Während
das offizielle Kino allmählich starb, formierten sich in den frühen
80er Jahren aus der bunten Masse der punkigen Subkultur mehrere
Zentren eigenständiger Filmproduktion, die als Paralleles Kino bezeichnet
wurden. Evgenij Kondrat'ev ist einer der schillerndsten Vertreter
des Parallelen Kinos. Mit Zwanzig findet er Eingang in die Leningrader
Undergroundszene und filmt bald mit einer 16mm-Kamera seinen ersten
Film. In den folgenden Jahren dreht Kondrat'ev auf überlagertem,
ausgemusterten Filmmaterial ein ganzes Dutzend Filme. Dabei dient
ihm sein 10m²-WG-Zimmer in der Puschkinskaja 10 als Labor, Montagestudio
und Bleibe zugleich. In dieser Zeit gibt er sich den Künstlernamen
„Debil“.
In Filmen Kondrat'evs wirkten des öfteren namhafte Szenekünstler
wie Savčenkov, Mitenev, Ovčinnikov als Co-Produzenten mit. Zahlreiche
weitere, wie der Leningrader Dichter Dragomoščenko waren als Schauspieler
beteiligt. Auch Evgenij Kondrat'ev selbst betätigte sich, wie viele
seiner Gleichgesinnten, sowohl als Regisseur, als auch als Schauspieler.
Kondrat'ev bearbeitet oft die Filmoberfläche per Hand und überzieht
das Kinobild mit einem Netz aus Gekratztem und Bemaltem. Diese Schichtung
der Bilder und die Tatsache, dass Kondrat'evs Filme oft einen sehr
schnellen Zeitraffer darstellen, erzeugen eine sehr hohe Dichte
des filmischen Stoffs. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird dabei
bis aufs Äußerste herausgefordert. Kondrat'ev schaffte sich mit
seinen Filmen eine eigene Position innerhalb des Parallelen Kinos,
indem er sein starkes eigenes Filmverständnis eklektisch mit den
Verfahren und Motiven anderer Vertreter dieser Szene anreicherte.
Anfang 90er Jahre siedelte Kondrat'ev nach Deutschland über. Eine
seiner aktuellen Arbeiten ist der im Rahmen des Mozart-Jahres in
Augsburg gezeigte Film „Skizzen zu Mozart“, welcher vom städtischen
Kulturbüro in Auftrag gegeben wurde. Momentan arbeitet Evgenij Kondrat'ev
an einer Vorlesungsreihe in Form mehrerer Kurzfilme über die Natur
des Films und über Stanislavskijs Schauspielkunst.
Filmprogramm:
• Künstlerische Suche Boris Košelochovs – Tvorčeskij poisk Borisa
Košelochova, 1984, 2min
• Nanajnana - Nanajnana, 1985, 8 Min.
• Arbeit und Hunger - Trud i golod, 1985, 4 Min.
• Wunschträume - Grezy, 1988, 10 Min.
• Guten Tag, Neues Jahr! - Zdravstvuj Novyj God!, 1998, 10 Min.
• Es geschah am Fluss - Ėto bylo u reki, 1991, 10 Min.
• Ol'fs Anhänger - Storonnik ol'fa, 1987, 5 Min.
• Die Tropfen bleiben auf den Bäumen - Kapli ostajutsja na derev'jach,
1990,12 Min.
Evgenij Kondrat'ev ist anwesend und antwortet anschließend auf die
Fragen aus dem Publikum.
Alle Filme sind stumm. Einige wenige Textstellen werden entweder
synchron gedolmetscht oder soweit es
technisch gelingt mit deutschen Untertiteln versehen.
Kommt vorbei und staunt!
Unterstützung: Freunde der Deutschen Kinemathek e.V. ~ Kino Arsenal
~ arsenal experimental / Danke! Special thanks to Maria Morata!
Nach der Vorführung:
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